Warum Optionen ein eigenes Journal-Layout brauchen
Ein Aktien-Journal geht von einer Zeile pro Trade aus: kaufen, verkaufen, fertig. Optionen brechen diese Annahme auf drei Arten:
- Der Multiplikator. Eine quotierte Prämie von 3,40 $ gilt pro Aktie, nicht pro Kontrakt.
- Mehrere Legs. Ein Spread besteht aus zwei oder mehr Kontrakten, die nur zusammen Sinn ergeben.
- Mehr Wege zum Schließen. Eine Position kann verkauft, zurückgekauft, verfallen, ausgeübt werden oder per Assignment (Zuteilung) enden.
Wenn dein Journal jede Ausführung als eigenen Trade behandelt, kann ein Spread als ein großer Gewinner und ein großer Verlierer auftauchen, und deine Trefferquote wird bedeutungslos. Viele Journals liegen außerdem bei den Kosten um den Faktor 100 daneben.
Auch die Zeit spielt eine größere Rolle als bei Aktien. Zwei Positionen mit demselben Einstiegskurs, aber unterschiedlichem Verfall sind verschiedene Trades, und ein Journal, das den Verfallstermin nicht erfasst, kann dir nicht zeigen, wie die Haltedauer deine Ergebnisse beeinflusst.
Der Kontraktmultiplikator
Bei Standard-Optionen auf US-Aktien steht ein Kontrakt in der Regel für 100 Aktien, also gilt:
Kosten oder Erlös = Prämie × 100 × Kontrakte
Mini-Optionen, Indexoptionen, nach Kapitalmaßnahmen angepasste Kontrakte und Optionen an anderen Märkten können andere Multiplikatoren haben. In Indien legt die Börse die F&O-Lotgrößen fest und ändert sie von Zeit zu Zeit. Nimm immer den Multiplikator oder die Lotgröße, die beim Kontrakt selbst oder in der Abrechnung deines Brokers angegeben ist, keine Konstante, die du in eine Tabelle getippt hast.
Rechenbeispiel: ein Trade mit einem Leg
Du kaufst 2 Standard-Calls auf eine US-Aktie zu 3,40 $ und verkaufst sie später zu 4,10 $. Die Kurse sind beispielhaft.
- Kosten: 3,40 $ × 100 × 2 = 680 $
- Erlös: 4,10 $ × 100 × 2 = 820 $
- Brutto-G&V: 820 $ − 680 $ = +140 $, vor Provisionen und Gebühren
Ohne Multiplikator stünde hier +1,40 $, und das verzerrt dann jeden Durchschnitt, jeden Profitfaktor und jeden Erwartungswert, der darauf aufbaut. Gebühren auf Optionen werden oft pro Kontrakt berechnet, also erfasse sie pro Leg.
Multi-Leg-Positionen zu einem Trade bündeln
Eine Multi-Leg-Position (zum Beispiel ein vertikaler Spread) sollte ein einziger Journaleintrag sein, mit den Legs darunter aufgelistet. Das ist ein Beispiel für die Erfassung, keine Empfehlung, irgendeine Struktur zu handeln.
| Leg | Aktion | Prämie | Cashflow (1 Kontrakt) |
|---|---|---|---|
| 1 | Call kaufen (Eröffnung) | 5,00 $ | −500 $ |
| 2 | Call verkaufen (Eröffnung) | 2,00 $ | +200 $ |
| Netto-Belastung bei Eröffnung | −300 $ | ||
| Netto-Gutschrift beim Schließen (beide Legs zusammen geschlossen) | +420 $ | ||
| G&V der Position vor Gebühren | +120 $ | ||
Wenn das geplante Risiko dieser Position die vollen 300 $ Belastung waren, beträgt das Ergebnis in R 120 $ ÷ 300 $ = +0,4R. Als zwei getrennte Trades erfasst, sähe dieselbe Position aus wie ein Gewinner und ein Verlierer.
Regeln für das Bündeln: Legs, die zusammen eröffnet wurden, gehören zusammen; wenn du ein Leg separat schließt oder rollst, erfasse es als Anpassung derselben Position, mit eigenem Cashflow und Datum.
Ein praktischer Tipp: Gib jeder Position eine ID und schreib sie in die Zeile jedes Legs. Dann liefert eine Pivot-Tabelle oder ein einfaches SUMMEWENN über diese ID den Netto-Cashflow der gesamten Position, egal wie viele Ausführungen, Anpassungen oder Teilschließungen sie hatte. Ohne ID driften die Legs mit der Zeit auseinander, und das echte Ergebnis der Position geht verloren.
Verfall, Ausübung und Assignment
Nicht jede Optionsposition endet mit einem Schließungstrade, und genau bei diesen Enden gehen Journals am häufigsten schief:
- Wertlos verfallen. Es gibt keine Schließungsausführung, deshalb erfassen viele Tabellen das Ergebnis nie. Trag am Verfallstag eine Schließung zu 0,00 $ ein, damit der Verlust (bei einer gekauften Option) oder die behaltene Prämie (bei einer verkauften Option) mitzählt.
- Ausgeübt oder zugeteilt. Das Options-Leg wird geschlossen, und eine Aktienposition wird zum Basispreis eröffnet oder geschlossen. Erfasse das Optionsergebnis und verknüpf es mit dem daraus entstandenen Aktientrade, damit das Gesamtergebnis an einer Stelle sichtbar ist.
- Gerollt. Einen Verfallstermin schließen und einen anderen eröffnen ergibt zwei Sätze von Ausführungen. Manche Trader führen beide unter einer Position mit einem Anpassungsvermerk, andere behandeln das Rollen als neuen Trade. Leg dich auf eine Regel fest und bleib dabei, sonst verschieben sich Trade-Anzahl und Trefferquote mit deiner Buchführung.
Die Abrechnungen und Kontoauszüge deines Brokers sind für diese Ereignisse maßgeblich, auch für den genauen Preis und die gelieferte Stückzahl.
Felder für jede Position
- Basiswert, Eröffnungsdatum, Schließungsdatum
- Jedes Leg: Call/Put, Basispreis, Verfall, Kauf/Verkauf, Eröffnung/Schließung, Kontrakte, Prämie
- Multiplikator (vom Kontrakt, nicht angenommen)
- Netto-Belastung oder -Gutschrift bei Eröffnung und beim Schließen
- Geplantes Maximalrisiko in Dollar, das 1R festlegt
- Wie es geendet hat: geschlossen, verfallen, ausgeübt oder zugeteilt
- Gebühren pro Leg
- Netto-G&V und R
- Setup-Tag und Notiz
Wenn das Maximalrisiko erfasst ist, kannst du dieselben Kennzahlen R-Multiple und Profitfaktor wie bei Aktien verwenden und Ergebnisse aus Optionen und Aktien direkt nebeneinanderstellen.
Optional: Griechen und Volatilität beim Einstieg
Manche Trader erfassen zusätzlich eine Momentaufnahme der Position beim Einstieg, aus der Plattform ihres Brokers. Das sind optionale Felder. Nützlich sind sie nur, wenn du deine Ergebnisse später dagegen auswertest:
| Optionales Feld | Was es festhält |
|---|---|
| Delta | Ungefähre Empfindlichkeit gegenüber einer Bewegung des Basiswerts |
| Theta | Ungefähre Wertänderung pro Tag durch den Zeitablauf |
| Vega | Ungefähre Empfindlichkeit gegenüber der impliziten Volatilität |
| Implizite Volatilität | Das Volatilitätsniveau, das im Optionspreis steckt |
| Tage bis zum Verfall | Verbleibende Laufzeit beim Einstieg |
Die Werte unterscheiden sich zwischen Plattformen, weil sie aus Modellen mit unterschiedlichen Eingaben stammen, also notier, woher jede Zahl kommt. Wenn du ein Feld nie auswertest, hör auf, es zu erfassen.
Ein Optionen-Journal auswerten
Sobald die Positionen richtig gebündelt und bewertet sind, wertest du nach Setup und nach Struktur aus: Trefferquote, Payoff-Ratio, Erwartungswert und Profitfaktor, alles nach Gebühren. Prüf, wie oft Positionen mit Ausübung oder Zuteilung enden und ob angepasste Positionen besser oder schlechter abschneiden als solche, die du in Ruhe gelassen hast. Behalte die Stichprobengröße im Blick: Ein paar Dutzend Positionen sind immer noch eine kleine Stichprobe.
Eine Journal-App, die Ausführungen von deinem Broker importiert, kann Legs bündeln und den Multiplikator für dich anwenden; TradeGreen verbindet sich mit Nur-Lesezugriff mit über 20 Brokern und erfasst jeden geschlossenen Trade automatisch. Ansonsten ist die Trading-Journal-Tabelle ein Ausgangspunkt. Die steuerliche Behandlung von Optionen hängt von deinem Land ab, frag also einen Steuerberater. Dieser Leitfaden dient der Bildung und empfiehlt keine Optionsstrategie.