Trading-Leitfäden

R-Multiple im Trading: jeden Trade in Risikoeinheiten messen

Ein R-Multiple drückt den Gewinn oder Verlust eines Trades als Vielfaches des Betrags aus, den du riskieren wolltest. Hast du 2 € pro Aktie riskiert und 6 € verdient, war der Trade +3R. Hast du die geplanten 2 € verloren, war er −1R. Mit R kannst du Trades jeder Größe, jedes Kurses und jedes Marktes auf einer Skala vergleichen.

Die Formel für das R-Multiple

R ist dein anfängliches Risiko pro Aktie oder Kontrakt: der Abstand zwischen deinem Einstieg und deinem Stop. Das R-Multiple gibt an, wie viele dieser Einheiten der Trade tatsächlich gebracht hat:

R-Multiple = (Ausstieg − Einstieg) ÷ (Einstieg − Stop)

Diese eine Formel funktioniert für Longs und Shorts, weil sich die Vorzeichen gemeinsam umdrehen. Bei einem Long liegt der Stop unter dem Einstieg, also ist der Nenner positiv. Bei einem Short liegt der Stop über dem Einstieg, also ist der Nenner negativ, und ein fallender Kurs ergibt ein positives R.

Jeden Trade kannst du in den R-Multiple-Rechner eingeben, um deine eigenen Zahlen zu prüfen.

Rechenbeispiele: Longs und Shorts

Jedes Beispiel verwendet die Formel genau wie oben geschrieben.

TradeEinstiegStopAusstiegRechnungR
Long, Ziel erreicht504856(56 − 50) ÷ (50 − 48) = 6 ÷ 2+3R
Long, kleiner Gewinn504851(51 − 50) ÷ (50 − 48) = 1 ÷ 2+0,5R
Long, Kurslücke unter den Stop504847(47 − 50) ÷ (50 − 48) = −3 ÷ 2−1,5R
Short, Ziel erreicht10010394(94 − 100) ÷ (100 − 103) = −6 ÷ −3+2R
Short, ausgestoppt mit Slippage100103104,50(104,5 − 100) ÷ (100 − 103) = 4,5 ÷ −3−1,5R

Beachte die beiden Verluste, die schlechter als −1R sind. Kurslücken und Slippage führen dazu, dass dein Stop den Verlust nicht exakt bei 1R begrenzt. Siehst du in deinem Journal viele Verluste jenseits von −1R, sagt das etwas über deine Ausführung oder die Instrumente aus, die du handelst.

Warum R besser ist als Euro und Prozent

Ergebnisse in Euro vermischen zwei Dinge: wie gut der Trade war und wie groß du ihn gemacht hast. Ein Gewinn von 500 € mit einer großen Position und einer von 50 € mit einer kleinen können Trades von gleicher Qualität sein. R rechnet die Größe heraus.

Deshalb planen viele Trader ihre Trades in R, bevor sie an Euro denken. Der CRV-Rechner funktioniert genauso: Abstand zum Ziel geteilt durch Abstand zum Stop.

Dein Ø R ist dein Erwartungswert in R

Erfasse das R jedes Trades, und du bekommst eine Liste, die du auswerten kannst. Hier sind zehn aufeinanderfolgende Trades:

Trade12345678910
R+3−1−1+0,5+2−1−1,5+1−1+4

Summe = 5R. Durchschnitt = 5 ÷ 10 = 0,5R pro Trade. Trefferquote = 50 %.

Dieser Durchschnitt ist dein Erwartungswert, gemessen in R: Über diese zehn Trades hat jeder im Schnitt das 0,5-Fache des riskierten Betrags gebracht. Hast du bei jedem 200 € riskiert, haben die zehn Trades 5 × 200 € = 1.000 € eingebracht.

Ein Durchschnitt von 0,5R aus zehn Trades ist ein Hinweis, kein Beweis. Zehn Ergebnisse können durch einen einzigen großen Gewinner stark schwanken (Trade 10 allein brachte +4R). Erfasse weiter und schau dir den Durchschnitt bei 50 und 100 Trades noch einmal an.

Häufige Fehler beim Arbeiten mit R

Trades in R planen, bevor du einsteigst

R ist nicht nur für die Auswertung da. Bevor du einen Trade platzierst, schreib drei Kurse auf: Einstieg, Stop und Ziel. Der Stop legt 1R fest. Der geplante Ertrag in R ist (Ziel − Einstieg) ÷ (Einstieg − Stop), dieselbe Formel mit dem Ziel anstelle des Ausstiegs.

Eine kurze Checkliste für jeden Einstieg:

Vergleich nach dem Trade das geplante R mit dem realisierten R. Die Gewohnheit, +2R zu planen und bei Gewinnern +0,8R zu realisieren, fällt schnell auf, sobald beide Zahlen in deinem Journal nebeneinanderstehen, und sie lässt sich viel leichter abstellen, wenn du sie sehen kannst.

So erfasst du R in deinem Journal

Füg jedem Trade drei Spalten hinzu: geplanter Stop, anfängliches Risiko pro Aktie (Einstieg − Stop) und R-Multiple. Trag den Stop vor dem Trade ein, nicht danach, damit du ihn nicht umschreiben kannst.

Sobald du genug Trades hast, gruppier sie nach Setup und vergleich das durchschnittliche R jedes Setups. Ein Setup mit 35 % Trefferquote und durchschnittlich +0,5R bringt dir mehr als eines mit 65 % Trefferquote und durchschnittlich −0,1R. Das siehst du aber nur, wenn du R erfasst.

Die Trading-Journal-Tabelle enthält diese Spalten mit fertigen Formeln. Eine Journal-App, die die Ausführungen deines Brokers importiert, kann R pro Trade und pro Setup berechnen, sobald du ihr deinen Stop gibst.

Häufige Fragen

Was ist 1R im Trading?

1R ist der Betrag, den du bei einem Trade riskieren wolltest: der Abstand zwischen deinem Einstiegskurs und deinem anfänglichen Stop, pro Aktie oder Kontrakt, oder dieser Abstand multipliziert mit deiner Positionsgröße in Euro.

Wie berechnet man ein R-Multiple?

R-Multiple = (Ausstieg − Einstieg) ÷ (Einstieg − Stop). Dieselbe Formel funktioniert für Longs und Shorts, weil sich die Vorzeichen gemeinsam ändern.

Kann ein Verlust größer als −1R sein?

Ja. Springt der Kurs über deinen Stop hinweg oder wird deine Order mit Slippage ausgeführt, kann der Verlust dein geplantes Risiko übersteigen, zum Beispiel −1,5R.

Was ist ein gutes durchschnittliches R-Multiple?

Jeder Durchschnitt über 0 bedeutet, dass deine Trades in der Stichprobe im Schnitt Geld verdient haben. Wie aussagekräftig das ist, hängt davon ab, aus wie vielen Trades er stammt, und von den Kosten.

Soll ich den anfänglichen oder den letzten Stop verwenden?

Den anfänglichen Stop. R misst das Ergebnis am Risiko, das du beim Einstieg akzeptiert hast. Ein späterer, engerer Stop bläht jedes Ergebnis auf.

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Schluss mit dem Rechnen von Hand

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Zu Lernzwecken, keine Anlageberatung. TradeGreen beschreibt Trades, die bereits stattgefunden haben, und empfiehlt nie, was du kaufen sollst.